Wenn du dich streitest, mit dir selbst oder irgend jemand anderem, kannst du da rein- und rauszoomen? Gelingt es dir zwischen Vogelperspektive und ganz nah dran mühelos zu wechseln? 

Meist bleibst du in dem Modus ganz nah dran stecken, oder? Zumindest kenne ich das von mir so. Dann bin ich nicht mehr wirklich handlungsfähig. Ich RE-agiere wie ein dressierter Hund, von agieren und relaxt Entscheidungen treffen, bin ich dann weit entfernt. 

Prüfungsangst funktioniert so ähnlich. Ich hab lange Zeit immer nur das ausbrechen können, was ich mir vorher ins Hirm geprügelt habe. Ich konnte nur abrufen, keine Querverbindungen herstellen. Die Angst hat mich kurzgeschlossen.

Die erste Prüfung, die tatsächlich halbwegs angenehm war, war meine Facharztprüfung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich seit einigen Jahren mit Meditation beschäftigt und Morgenseiten geschrieben. Ich war in der Lage, Abstand zu mir selbst herzustellen.

Wenn wir von unseren Gefühlen übermannt werden, macht uns das oft blind, und wir tun Dinge, über die wir nur den Kopf schütteln und uns selbst nicht verstehen – im Nachhinein.

Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe, ist das Schreiben von Morgenseiten. Du nimmst dir morgens oder abends ca. 15min Zeit für dich, drei Seiten weisses Din A4 Papier, setzt den Stift auf der ersten Seite an und legst ihn erst zur Seite, wenn drei Seiten gefüllt sind.

Es geht nicht um sinnvolles Schreiben, schöne Gedanken und kluge Worte – es geht um Leerung des Speichers. Wir alle zu viele Tabs offen. Im Hintergrund unseres Hirns laufen mehrere Programme, die unsere Bandbreite auffressen. Das Schreiben bringt diese Gedanken aufs Papier, und damit sind sie weg. Sie sind raus, geleert, erledigt. Das geht meist so für zwei Seiten. Die dritte Seite ist die eigentlich Interessanteste.

Wenn alles aus dem Weg ist, worum geht’s den wirklich in dir? Was beschäftigt dich dicht unter der Alltagsaufmerksamkeit? Was drückst du immer wieder weg oder was wünscht du dir heimlich?

Schreib das doch mal auf. Das Schreiben schafft Abstand. Probleme schrumpfen auf machbare Grösse, und der Blickwinkel ändert sich von allein. Das reicht schon aus, um von Problem- in Lösungsmodus umzuschalten. 

Probier mal! 

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